{"id":102,"date":"2023-05-13T09:08:07","date_gmt":"2023-05-13T08:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/5050eltern.de\/?p=102"},"modified":"2023-05-10T09:21:22","modified_gmt":"2023-05-10T08:21:22","slug":"kompass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5050eltern.de\/?p=102","title":{"rendered":"&#8230;.kompass"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich will hier kurz meine Meinung schreiben zu zwei sehr unterschiedlichen B\u00fcchern von attachment parenting Autorinnen die beide das Wort &#8222;Kompass&#8220; im Namen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nora Imlau: &#8222;Mein Familienkompass&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde dieses Buch sehr, sehr empfehlenswert. Nora Imlau setzt meineserachtens dort an wo die Ratgeber von den Gew\u00fcnschtestes Wunschkind-Autorinnen aufh\u00f6ren: sie f\u00e4ngt quasi in einer Situation an wo Eltern schon (relativ) bed\u00fcrfnisorientiert erziehen aber an ihre Grenzen kommen und nicht richtig wissen wieso.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beschreibt (S.30) dass wir alle lernen m\u00fcssen mit uns selbst genau so geduldig und achtsam umzugehen wie wir es mit dem Kind tun (oder zumindest gerne w\u00fcrden). Man sollte an beiden Sachen arbeiten: an den eventuell zu hohen Anspr\u00fcchen UND daran, praktikable L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wertvoll f\u00fcr dieses Ziel ist sicherlich das Kapitel &#8222;Endlich unperfekt&#8220;, wo einige Unsicherheiten und Fallstricke in der bed\u00fcrfnisorientierten Erziehung angesprochen werden: z.B. das Gef\u00fchl dass diese Art der Erziehung nicht funktioniere, weil das Kind nicht besonders kooperativ wirkt. Ich h\u00e4tte das r\u00fcckblickend sehr gut f\u00fcr mich gefunden vor zwei, drei Jahren, weil ich tats\u00e4chlich die Erwartung hatte dass mein Kind durch meine bed\u00fcrfnisorientierte Erziehung z.B. nur wenige Wutanf\u00e4lle hat und diese auch schnell vorbei sind &#8211; es w\u00e4re evtl. alles etwas einfacher gewesen ohne diese Erwartung. Die Quintessenz dieses Teilkapitels ist, falsche Erwartungen an sich und das Kind loszulassen. Aufschlussreich, auch wenn man den Grundtenor schon kennt, sind auch die Teilkapitel &#8222;Gro\u00dfwerden ohne Gewalt&#8220; und &#8222;Kooperation statt Gehorsam&#8220;, weil es darin u.a. um zwei Konzepte geht die h\u00e4ufig falsch verstanden werden, z.B. Kooperation: das bedeutet nicht dass Kinder das mitmachen was die Erwachsenen gerade brauchen oder wollen (S.131f), sondern dass sie z.B. in Kommunikation bleiben. Und Schimpfen: nicht alles Schimpfen im Sinne von verbaler \u00c4u\u00dferung von Unzufriedenheit ist ein gewaltvoller Akt (S.118f), also man kann und soll seinen Kindern durchaus mitteilen wenn einen etwas ver\u00e4rgert. Sie nimmt auch Bezug auf das Thema das mich in den Kleinkindjahren besonders besch\u00e4ftigt hat: <a href=\"https:\/\/5050eltern.de\/?p=56\" data-type=\"post\" data-id=\"56\">das finden und wahren der eigenen Grenzen<\/a> (S. 103):<\/p>\n\n\n\n<p><em> &#8222;Problematisch wird Freundlichkeit erst, wenn wir darunter verstehen, dass wir unsere eigenen Grenzen nicht wahren d\u00fcrfen. Also glauben, die freundliche Antwort sei immer ein Ja, und die unfreundliche ein Nein. Das ist ein Irrtum: Wir k\u00f6nnen freundlich sein, und trotzdem klar in der Kommunikation unserer Bed\u00fcrfnisse und Grenzen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie betont auch, dass es keine EINE Art gibt bed\u00fcrfnisorientiert zu sein (also z.B. mit Langzeitstillen, Familienbett usw), und dass Bed\u00fcrfnisse und auch wie sie befriedigt werden k\u00f6nnen h\u00f6chst individuell sind. Das Teilkapitel &#8222;Bed\u00fcrfnisse als Richtschnur&#8220; ist dabei sehr empfehlenswert, weil es konkrete Beispiele gibt, u.a. auch wie man W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse auseinanderhalten kann, und wie man seine eigenen Bed\u00fcrfnisse erkennen und erf\u00fcllen kann. Das darauffolgende Teilkapitel &#8222;Liebevolle Wegbegleiter&#8220; geht es darum wie man den Rahmen f\u00fcr die Familie schafft &#8212; die Familienregeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch ist sehr best\u00e4rkend und legt das Hauptaugenmerk wieder auf das gro\u00dfe Ganze:  (i) dass man das Ganze eben nicht macht um ein bestimmtes Ziel zu erreichen (k\u00fcrzere Wutanf\u00e4lle!) sondern weil man bestimmte Werte leben will &#8211; Werte wie Respekt vor einander und auch vor sich selbst, (ii) und dass es unterschiedliche Arten gibt diese Werte zu leben und alles nicht so dogmatisch gesehen werden darf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Nicola Schmidt: &#8222;Der Elternkompass&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicola Schmidts Buch ist in Kapitel eingeteilt die verschiedene Altersstufen des Kindes wiederspiegeln (Schwangerschaft\/Baby, Kleinkind, Schulkind).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch eignet sich vielleicht f\u00fcr werdende und frischgebackene Eltern die sehr klare Handlungsanweisungen wollen &#8211; ich wei\u00df noch dass ich selbst sehr sehr frustriert war als ich ein paar B\u00fccher von Jesper Juul gelesen hatte und das alles so schwammig und unklar war. An dem &#8222;gew\u00fcnschtestes Wunschkind&#8220; Blog fand ich damals sch\u00f6n dass es da sehr klare und pr\u00e4zise Meinungen und Empfehlungen gab, und dieses Buch ist, denke ich, in vielen Aspekten deckungsgleich mit dem Blog was die Meinungen\/Empfehlungen angeht. Soweit die positiven Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand das Buch trotzdem unertr\u00e4glich, aus verschiedenen Gr\u00fcnden:<\/p>\n\n\n\n<p>A) Es wird extrem viel Druck aufgebaut. Also in Erziehung an sich liegt eh der Druck, dass man pers\u00f6nlich f\u00fcr das sp\u00e4tere Selbstwertgef\u00fchl, Wohlbefinden, und die Bindungsf\u00e4higkeit des Kindes verantwortlich ist, vor allem als Mutter. Ich bemerke oft wie viel leichter mein Mann in Erziehungsfragen agieren kann, der diesen Druck nicht (oder nicht so deutlich) sp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch von Nicola Schmidt geht noch weiter, sie behauptet dass wir durch unsere bindungsorientierte Erziehung die Welt retten k\u00f6nnen (s. Kapitel &#8222;Die Welt ver\u00e4ndern, indem wir unsere Kinder anders erziehen&#8220;)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Handlungsanweisungen (und Argumente daf\u00fcr warum das der einzig richtige Weg ist) sind bekannt: m\u00f6glichst eingriffsfreie Schwangerschaft und Geburt, Stillen nach Bedarf und Langzeitstillen, Familienbett, Tragen, windelfrei, baby-led weaning, und bei all dem nat\u00fcrlich auch sehr entspannt sein weil Stress dem Kind schadet \u2026. ich habe ehrlich gesagt viel \u00fcbersprungen in den ersten Kapiteln. Es ist ganz sch\u00f6n erdr\u00fcckend diese ganzen Sachen am St\u00fcck zu lesen statt in einem Blog in H\u00e4ppchen, ich war schon vom Lesen total ersch\u00f6pft von den ganzen Anforderungen, obwohl das ja alles schon hinter mir liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das fiese daran ist dass man (meiner Meinung nach) bei aller Energie die man da rein steckt nie alle diese Dinge schaffen kann. Wir waren die ganze Elternzeit zu zweit, hatten uns diese Dinge alle auch vorgenommen, und haben nur einen Bruchteil so hingekriegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch fieser finde ich, dass suggeriert wird dass Mutter und Kind das alles ja von Natur aus wollen. Also z.B. ganz am Anfang des Buches wird eine Dichotomie zwischen Mama\/Baby und &#8222;den Anderen&#8220; aufgemacht &#8211; die b\u00f6sen anderen wollten in Schmidts Fall dass das Kind mit 7 Monaten auch mal wo anders schlafen kann als auf dem Arm der Mutter, Mutter und Kind f\u00fchlen aber dass es so richtig ist. Was ist aber wenn man es nicht so f\u00fchlt? Wenn man z.B. m\u00f6chte dass das Kind auch beim Vater im Arm schlafen kann, wenn man im Familienbett nicht gut schl\u00e4ft, wenn man nicht stillen kann, wenn man es einfach nicht schafft die ganzen Stoffwindeln zu waschen? Wie soll man sich des Eindrucks erwehren dass man einfach nicht vehement genug versucht hat? Wie soll man dabei entspannt bleiben, wenn in dem Buch so viele Forschungergebnisse aufgelistet werden dass die Alternative sch\u00e4dlich ist f\u00fcr das Kind (und vielleicht dessen Kinder, und vielleicht f\u00fcr die Welt an sich)?<\/p>\n\n\n\n<p>Also vielleicht bin ich da zu hart mit Nicola Schmidt, irgendwo ist bestimmt ein Disclaimer dass andere Arten zu leben auch ok sind.<\/p>\n\n\n\n<p>B) Schmidt richtet sich an eine andere Lesendenschaft als sie (meiner Meinung nach) hat. Anders als in einem Blog \u00fcber den man so stolpern kann, kann man &#8211; finde ich &#8211; bei einem Buch davon ausgehen, dass der Gro\u00dfteil der Lesenden das gekauft hat weil sie schon bindungsorientiert erziehen wollen und nicht so sicher sind wie das geht. Ich denke dass die Argumente unter Umst\u00e4nden so drastisch sind WEIL sie annimmt dass Eltern vorhaben die Kinder schreien zu lassen, oder nach Plan zu stillen statt nach Bedarf, usw.<\/p>\n\n\n\n<p>C) Es st\u00f6rt mich auch dass so eine gewisse Arbeitsfeindlichkeit herrscht &#8211; obwohl Schmidt ja selbst berufst\u00e4tig ist. Es wird plakativ z.B. \u00fcber arbeiten gehen und &#8222;Fremdbetreuung&#8220; gesprochen, als ob man so hyperkapitalistisch sei, z.B. zum Thema Kita: &#8222;<em>In Interviews sprechen Psychoanalytiker von innerseelischen Katastrophen, Bildungs\u00f6konomen halten den sp\u00e4teren Arbeitsmarkterfolg dagegen<\/em>.&#8220; Als ob wir alle die wir unsere Kinder in die Kita bringen denken: ach, die Psyche des Kindes ist nicht so wichtig, Hauptsache es hat sp\u00e4ter auf dem Arbeitsmarkt Erfolg. Ich bringe mein Kind in die Kita weil ich arbeite, und ich arbeite (neben dem Aspekt dass ich meinen Job liebe und mein Mann auch kein Alleinverdienergehalt hat) prim\u00e4r weil ich mich nicht abh\u00e4ngig machen m\u00f6chte von einem anderen Menschen, <a href=\"https:\/\/mama-arbeitet.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mit all den negativen Konsequenzen die das bei einer Scheidung oder Tod oder Erwerbsunf\u00e4higkeit usw des Ehepartners usw mit sich ziehen w\u00fcrde<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Rolle des Vaters hab ich nur sehr wenig gefunden &#8211; Nicola Schmidt ist aber Ko-Autorin des Buchs &#8222;Vater werden&#8220; &#8211; bestimmt gibt es da mehr Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also im Gro\u00dfen und Ganzen bin ich sehr froh dass ich dieses Buch nicht fr\u00fcher gelesen habe, und empfehle es nicht weiter, oder zumindest nur in Verbindung mit dem &#8222;Elternkompass&#8220; \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will hier kurz meine Meinung schreiben zu zwei sehr unterschiedlichen B\u00fcchern von attachment parenting Autorinnen die beide das Wort &#8222;Kompass&#8220; im Namen haben. Nora Imlau: &#8222;Mein Familienkompass&#8220; Ich finde dieses Buch sehr, sehr empfehlenswert. Nora Imlau setzt meineserachtens dort an wo die Ratgeber von den Gew\u00fcnschtestes Wunschkind-Autorinnen aufh\u00f6ren: sie f\u00e4ngt quasi in einer Situation &hellip; <a href=\"https:\/\/5050eltern.de\/?p=102\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e&#8230;.kompass\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102"}],"collection":[{"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=102"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions\/103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/5050eltern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}